Rund um Köln 2017

Zum zweiten Mal bin ich 2017 bei „Rund um Köln“ gestartet. Ich mag diese Veranstaltung. Was mich im Vorfeld wirklich geärgert hat war der Umgang mit Jan Ullrich. Jan Ullrich sollte als sportlicher Leiter die Profis und Amateure ins Rennen starten. Dank der 20 Jahre (!) alten Geschichten hat es der WDR geschafft, das „Ulle“ diese Aufgabe ablehnte. Unverständlich ist, dass der WDR bei Kokain, Steuerbetrag, Doping und ähnlicher Vergehen beim Fußball nicht diese Konsequenz zeigt.

Dank aber an Artur Tabat, dass er jedes Jahr vor dem Rennen der Profis den Jedermännern (da ich den ganzen Gender Kram Blödsinn finde verzichte ich auf das politisch korrekte „und Frauen“) die Chance gibt die Strecke und die Atmosphäre zu genießen.

Ich muss zugeben, dass dies ein Streckenprofil ist, welches mir absolut nicht liegt, aber Spaß macht es trotz oder wegen des Anstieg in Odenthal. Der Start- und Zielbereich war wie in den vergangenen Jahren im Bereich des Medienhafen, unweit von Microsoft und Electronic Arts am Harry-Blum Platz. Eingeteilt in Startblöcke von A bis mindestens F wurden die einzelnen Gruppen im Abstand von zwei Minuten auf die Strecke geschickt. Ich machte mich von Startblock D auf die 68km lange Strecke.

Am Rhein entlang ging es bis zur Zoo-Brücke und von dort rüber nach Köln-Mülheim in Richtung Bergisch-Gladbach. In Dellbrück änderte sich die Charakteristik und wir haben die Stadt verlassen und es ging hinaus ins Grüne. Bis hierhin konnte ich in meiner Startgruppe mithalten und wir hatten schönen Rennradspaß in Gruppen und Windschatten.

Bei km22 in Odenthal begann dann der Zweikampf zwischen mir und meinem inneren Schweinehund. Ich kannte den Anstieg von 2015 und wollte dieses Jahr auf jeden Fall besser den Berg hochkommen. Einige Kilo weniger auf der Waage und mehr Watt in den Beinen sorgten in meinem Kopf für Bilder wie ich Jan Ullrich beim Anstieg zum Alp d´huez locker lächelnd überhole.

Der Plan ging schief. Jan Ullrich lacht vermutlich immer noch über die 100 Höhenmeter mit „nur“ einer maximalen Steigung von 10%. Ich lachte nicht. Ich schaffe es an Bergen nie die volle Leistung meines Herz-  Kreislaufsystems abzurufen. Meine Muskeln machen immer vorher schlapp. Ich bin und bleibe wohl ein Ausdauerradler. Schön waren auch hier schon die Fans am Streckenrand die teilweise mitten im Wald mit Plakaten auf uns Radfahrer gewartet habe.

Auf den folgenden zehn Kilometern ging es dann noch stetig ein klein wenig hinauf in das Bergische Land. Beeindruckt bin ich an dieser Stelle immer von den Rennradfahrer die solche Berge mit über 25km/h hochfahren. Hut hab. Auch wenn ich mehrmals mir Gedanken mache das man die Zeit besser hätte nutzen können, zum Beispiel um die Wohnung zu putzen oder mit Kumpels Bier zu trinken – am Ende bleibt das Gefühl körperlich vollkommen ausgelaugt zu sein, der Schweiß rinnt die Arme, Beine herunter und durch das Gesicht und brennt in den Augen. Man hat das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen und hofft hinter jeder Ecke das Sauerstoffzelt des Roten Kreuz zu sehen.

Auch die Schönheiten und der Strand aus den frühen (heute politisch unkorrekten) Bacardi Werbespots gingen mir durch den Kopf. Und dann war irgendwann oben. Ein geiles Gefühl sich mit eigener Kraft den Berg hochgekämpft zu haben. Das ist Radsport.

Dann ging es lang und schnell den Berg hinter nach Bergisch Gladbach. Die Radcomputer zeigten Tempi von 60-70km/h – ein ebenso irres Gefühl auf einem Rad wie das bezwingen der Berge. Und dann nach einem unscheinbaren Linksknick geht es in die nächste Bergwertung. Bis zu 12% Steigung auf dem Weg hoch nach Sand. Einem kleinen unscheinbaren Ort, dessen Steigung ich mit den charmanten Worten „Ach Du Scheiße!“ begrüßt habe. Aber die Einwohner standen zu hunderten am Straßenrand und haben uns alle angefeuert. Und ganz ehrlich: es sind nur rufende Menschen, aber diese Menschen pushen einen die letzten Reserven abzurufen. 2015 musste ich absteigen – 2017 habe ich es geschafft.

Gut, ich sah zu diesem Zeitpunkt aus wie der Tempelritter in Indiana Jones 3 – ziemlich alt. Zum Glück ging es danach wieder bergab und ich wusste das nun nur noch der Anstieg zum Schloss in Bensberg kommt.

2015 habe ich mir in die Lycra Hose gemacht aus Angst vor dem Kopfstein-Pflaster Anstieg. Nach 2015 wusste ich das der Anstieg vorher viel schlimmer ist und seit der Flandern Rundfahrt 2017 das deutsches Kopfsteinpflaster sehr zärtlich ist.

Danach ging es nur noch bergab. Mit meiner Kondition und mit der Strecke. Zurück nach Köln. Nach der Brücke über den Rhein ging es durch den Zielsprint Bereich des Profirennen. Dort erfuhr ich auch endlich wie das fahren mit Begleitfahrzeugen ist, Der offizielle Shimano SKODA fuhr vor mir her. Dank unendlicher Stunden Top-Eurosport Übertragungen wusste ich das dies Windschatten bringt. Von den Abgasen im Windschatten war nie die Rede.

„Rund um Köln“ Du wirst mein zweites Heimrennen neben Münster.

Köln ist grundsätzlich eine geile Stadt. Das Start/Ziel Gelände und die Strecke ist toll, ich habe keine Anreise.

Dieses Jahr habe ich mir noch vor dem Start die Präsentation der Profi Teams angeschaut. Ein sehr muntere Moderation zwischen Bühne und SKODA Stand. So gut wie SKODA Automobile.

 

 

 

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