Tannheimer Tal Radmarathon 2017

Rennrad fahren macht Spaß. Ja, selbst Berge können Spaß machen – wenn man denn mal oben angekommen ist. Auf dem Rennrad kann man herrlich die Natur genießen und neue Regionen kennen lernen. Als Rheinländer verfällt man beim Anblick der Alpen sofort in großes Entzücken. Die beste Kombination aus all dem kann also nur ein Radmarathon in den Alpen sein.

Aus beruflichen Gründen hat es sich in diesem Jahr ergeben, dass ich in zwei aufeinander folgenden Wochen in Bayern unterwegs war. Das Wochenende dazwischen wollte ich nach Österreich. Am 09. Juli fand dort der vierte „Tannheimer Tal Radmarathon“ statt. Es gab Strecken über 85km, 130km und 230km. Auch wenn ich gelegentlich an Selbstüberschätzung leide, habe ich mich für die 130km Strecke entschieden – inklusive meines ersten Paß, dem Gaichtpaß.

„Room with a view“

Ausgangspunkt meines Wochenendes war das Berghotel Tirol. Als ich an der Rezeption ankam, erwartete mich ein Schild „Teilnehmer am Radmarathon bitte melden.“ Panik kam in mir auf, erste Gedanken an eine Absage der Veranstaltung bildeten sich in meinem Kopf. Muss ich nun etwa zwei Tage auf den Berggipfeln Bier trinken und die Aussicht genießen? Weit gefehlt, das Berghotel Tirol wollte die Teilnehmer darüber informieren das man ein Selbstbedienungs-Frühstück anbietet „Sie müssen ja so früh raus, da richten wir am Samstag Abend ein Frühstück her und Sie können dort dann wann Sie möchten sich bedienen.“ Sehr guter Service.

Blick Richtung „Neunerköpfle“

Samstags zur Mittagszeit fuhr ich die 20km nach Tannheim um meine Startunterlagen abzuholen. Mein Plan sah vor, im Anschluß noch mit einer Gondel auf einen Berg zu fahren, ein leckeres Bier zu trinken und ein Selfie vor traumhafter Kulisse zu machen und zu posten – was niemand toll gefunden hätte außer mir. Leider erwies sich mein Parkplatz direkt an der Bergbahn als nicht optimal – maximal weit entfernt von der Ausgabe der Startunterlagen am anderen Ende des Dorf. Und so richtig orientiert war ich auch nicht. Wie immer habe ich vor Ort noch Kuchen und Kaffee konsumiert und mir neugierig meine Gegner angeschaut.

Als ich dann meine Unterlagen im Auto deponiert hatte und fröhlich pfeifend zur Bergbahn ging hörte ich aus einiger Entfernung wie die Fahrgäste dem Seilbahnführer einen „schönen Feierabend“ wünschten. 15:41, strahlender Sonnenschein. So erfuhr ich das die letzte Auffahrt um 16.00 stattfindet und die letzte Abfahrt oben um 16:15 startet. Auf meine Frage: „Für ein Bier reicht das oben wohl nicht mehr“ bekam ich nur ein mitleidiges lächeln als Antwort.

Am Abend ging es dann noch einmal in die Tennishalle nach Tannheim zur Fahrerbesprechung. Mit den erhaltenen Gutscheinen für Getränk und Essen könnte ich mir Wurstsalat, Nudeln und zwei Radler. Musste aber beim belauschen der Tischgespräche feststellen, dass meine Konkurrenten um den Tagessieg andere Ernährungsstrategien hatten. Dort wurde über alle möglichen Kombinationen von Iso/Vitamin/Magnesium diskutiert und wann und wo und wie und in welchen Abständen man diese zu sich nimmt. Mir kamen hier erste Zweifel an einer Podiumsplatzierung.

Die Fahrerbesprechung war der einzige, kleine Kritikpunkt. In Bimbach gab es eine PowerPoint mit Fotos zu der Beschilderung und den Gefahrenstellen, so dass man am Folgetag aus der Erinnerung heraus die Stellen wieder erkannte. In Tannheim wurden die Abschnitte benannt, aber ohne Ortskenntnis war dies am nächsten Tag für mich nicht zu erkennen. Sehr gut hingegen das Programmheft mit Roadbook zur Strecke und Berichten von Teilnehmern aus den Vorjahren – sehr gut zu lesen.

Der Start war für Sonntag morgen 07:00 angesetzt. Das bedeutete für mich gegen 06:00 das Hotel zu verlassen und nach Tannheim zu fahren. Gut 1.000 Teilnehmer wurden auf die 130/85km Distanzen geschickt, für die 230km erfolgte der Start bereits um 06:00. Den ersten Kilometer schlängelte sich das Feld gemächlich durch die engen Gassen von Tannheim bevor es am Heißluftballon (siehe Foto) in die Berge ging und die Gruppen sich sortierten. Unmittelbar nach dem Ortsausgang begann es leicht zu regnen und dieser Regen sollte uns gute zwei Stunden begleiten.

Das Tannheimer Tal bewirbt sich als „schönstes Hochtal Europas“. So führte die Strecke nach dem Start erst einmal lange Zeit bergab und es wurde richtig Tempo gemacht. So schlimm fand ich einen Alpenmarathon bis dahin nicht. Die Strecke führte in der Folge lange Zeit durch das Lechtal und ich muss sagen: Ich war begeistert von der Landschaft.

An vielen Stellen führte die Strecke zu Beginn über kleine Nebenstraßen und durch Wälder in einem stetigen Auf und Ab und vielen kleinen Kurven. Purer Genuß auf dem Rad.

Im Lechtal gab es an drei Stellen Holzbrücken die nach dem Regen entsprechend rutschig waren. Die Organisatoren hatten jedoch an allen Gefahrenstellen Posten aufgestellt die mit Fahnen und Trillerpfeifen auf Gefahren hingewiesen haben.

So blieb es bis kurz nach der ersten Verpflegungsstelle in Vorerhornbach bei km54. Danach ging es auf die B198 in Richtung Stockach. Mit dem Rennrad auf Bundesstraßen habe ich immer noch so meine Probleme. Wie schon bei der Mecklenburger Seen Runde hab ich die Strecken wohl zu oft mit den dicht befahrenen Bundesstraße im Rheinland/Ruhrgebiet verglichen. In Österreich hat das Zusammenspiel von Auto, Motorrädern und Radfahrern gut funktioniert – vielleicht weil in einer solchen Touristengegend die Touristen entspannter sind und die Einheimischen sich an die Situation gewöhnt haben. Kurz nach Holzgau war dann bei km77 der südlichste Punkt erreicht und durch abgelegene Wiesen ging es zum 79km Depot in Stockach.

Wie schon bei der Vätternrundan hatte ich Probleme mit vier lockeren Speichen und einer „Acht“ im Vorderrad. Ein ungutes Gefühl hatte ich schon, da ich nicht wusste welche Abfahrten mir noch bevorstanden. Ich bildete mir ein in Kurven schon ein schwammiges Fahrverhalten zu haben. Zur Vorsicht entschied ich mich nur noch die hintere Felgenbremse zu nutzen um die vordere Felge nicht unnötig zu belasten. Aufgeben ist keine Option.

Von dort führte die Strecke zum 112km Depot in Weißenbach am Lech dann entlang der B198 Richtung Norden, diesmal rechts des Lech. Nach diesem Depot, 18km vor dem Ziel, sollte ich dann erstmals mit einem richtigen Berg zu kämpfen haben. Der Gaichtpaß wird in Teilen als Kategorie 3 Anstieg gewertet. Dennoch mit 220 Höhenmetern auf 4km eher ein Winzling in den Alpen. Für mich eine echte Herausforderung mit durchschnittlich 6-7% Steigung.

Oben an einer Brücke angekommen, dachte ich nun wäre alles geschafft. Aber leider hatte mich mein Erinnerungsvermögen an das Höhenprofil im Stich gelassen. Die nächsten vier Kilometer ging es ebenfalls noch weiter bergauf bis Nesselwäng und erst bei km122 war der höchste Punkt erreicht und es ging mit bis zu 55km/h die letzten Kilometer ins Tannheimer Tal herunter.

Erschöpft aber glücklich. Ich hasse Berge und ich liebe sie. Ich muss 2018 auf jeden Fall häufiger in die Berge, eines Tages möchte ich einen der großen Pässe wie Stilfser Joch, Timmelsjoch oder den Mont Ventoux fahren.

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