Alte Liebe und neue Ziele

Wenn man vierzig Jahre keinen Sport getrieben hat, kann man sein Leben als MAPIL so richtig genießen. Jede Saison, jedes Event, ja nahezu jede Sporteinheit bietet immer noch neue Reize und Erfahrungen. Natürlich hilft mir meine Fähigkeit unbedeutende Kleinigkeiten zu Heldengeschichten aufzubauschen und unnützes Wissen  ungefragt einzubringen. So kann ich spielend den Eindruck erwecken als wenn ich meine sportliche Karriere konsequent und geplant voran treibe.

Dem ist nicht so. Bilder von interessanten Radveranstaltungen führen bei mir zu ähnlicher Begeisterung wie der erste Playboy in der Pubertät. Allerdings kann man sich die Träume bei den Radveranstaltungen etwas einfacher erfüllen, meistens reicht der Einwurf kleiner Scheine aus.  Die Kontakt eMail vergisst der Playboy leider immer bei seinen Fotostrecken.

Auf diese Art und Weise habe ich mich seit 2015 an verschiedenen Radveranstaltungen angemeldet und wiederholt meine Grenzen gezeigt bekommen. Denn natürlich habe ich mir vorher keine Gedanken über Länge und Höhenmeter der Veranstaltung gemacht. 2015/2016 habe ich mich an verschiedenen Jedermann Rennen probiert, 2016/2017 kam die Langstrecke bis 300km hinzu, 2017/2018 stehen im Zeichen der niederländischen/belgischen Frühjahrsklassiker. Die Distanzen ab 100km machen mir zunehmend Spaß und scheinen mir mehr zu liegen.

Die Jedermann-Rennen sind wegen der Kulisse (Dresden, Hamburg) oder den Zuschauern (Köln, Münster) tolle Veranstaltungen, aber weite Anreisen würde ich aktuell nicht mehr dafür einplanen. Warum auch immer, gelange ich nicht in den Spitzenbereich. Ich kann scheinbar stundenlang an der aneroben Schwelle fahren. Möglicherweise plant mein körpereigenes Energiemanagement immer noch Reserven ein um zu gewährleisten das nach der Veranstaltung Bier rund Bratwurst noch ohne Atemnot bestellt werden können.

Möglicherweise müssen nun noch die letzten 20kg Körpergewicht mit harter Arbeit abtrainiert werden um auch in den Jedermann Rennen richtig mitkämpfen zu können. Denn ein Rennen bedeutet natürlich auch gegen die Mitbewerber um den Sieg zu kämpfen. Radmarathon sind für mich ganz klar zuerst der Kampf gegen sich mit gleichzeitigem Genuß der Natur. Ich bin und bleibe halt ein Genußmensch.

Meinen ersten (kleinen) Alpenmarathon habe ich dieses Jahr auch gefahren und war sehr begeistert von der Strecke im Tannheimer Tal. Zwar liegt der Ort Alpen in meiner Nähe, nicht aber das gleichnamige Gebirge oder irgendein anderes Hochgebirge um dies ohne großen Aufwand regelmässig zu wiederholen. Aber unsere direkten Nachbarn in Belgien und den Niederlanden haben ja durchaus eine beeindruckende Radsport Kultur zu bieten.

Nach meinen Erfahrungen in Flandern (Ronde van Vlaanderen) und Limburg (Amstel Godl Race) habe ich entschieden dort mehr Veranstaltungen zu besuchen. Die Veranstaltungen in den Rennrad Hochburgen haben ihren ganz eigenen Flair. Samstags fahren die Amateure, Sonntags die U23 und die World Tour Rennen der Frauen und Männer auf den Strecken die man selber gefahren ist. Und bei den Amateuren stehen schon viele der Fans mit reichlich Bier an den berühmten Anstiegen.

Dieses Jahr möchte ich mindestens die Ronde van Vlaanderen, das Amstel Gold Race, Limburgs Mooiste und Grensland Mooiste dort jeweils mit der ca. 150km Strecke fahren. Bis ich andere Bilder sehe 😉

Supporter „Cafes“ in Oudenaarde
Der Paternberg … danach geht es nur noch 10km bergab ins Ziel der „Ronde“ – photo VKPN/Cor Vos © 2013

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